Tagesgeflüster.
Mir scheint als ob mein Schlaf heute endlos andauerte. Den Alarm auf 07:50 gestellt, beschleicht mich die Panik, verschlafen zu haben bereits um 06:32, als ich zum ersten Mal aus verwirrenden Träumen erwache ohne das Klingeln des Weckers zu hören. Ich schlafe wieder ein, nach zwanzig Minuten: dasselbe erneut.
Als ich schlussendlich - den Wecker verschlafen - zwei Stunden später die Augen öffne ist von der Energie, welche ich heute früh noch verspürte nichts weiter übrig als eine schwache Erinnerung am Rande meines Bewusstseins.
Ein unangenehmes Gefühl des Platzmangels kratzt in meinem Hals. Als ich mich aufsetze tanzen Farben an der Wand.
Neben mir vibriert das Telefon.
Hätte ich mich gerade noch von Märtyrergedanken besessen nach Z geschleppt um zu arbeiten, so kommt mir jetzt meine Chefin zuvor. Heute werde ich nicht gebraucht. “Schlaf weiter”, meint sie. Ich gehorche, wenngleich meine Antwort dem Rauschen eines Röhrenfernsehers näher kommt als sie der menschlichen Sprache je ähnlich sein könnte.
Die Aufbackbrötchen aus Karton an Balsamicocreme - “zum Kochen und Garnieren” - könnte ich als mein Frühstück bezeichnen, als ich gegen elf vor meinem Laptop sitze und den Newsfeed runterscrolle um mir selbst zu beweisen, dass irgendjemand meiner 624 vermeintlichen Freunde in den letzten Stunden aufregenderes erlebt hat als ich in meinen Träumen. In meinen Träumen.
An Tagen wie heute ist das Leben ähnlich grau für alle. Vielleicht, ja vielleicht, schauen andere solchen Krankheitstagen voller Nichtstun mit weniger Pessimismus entgegen, drehen sich, wenns hart auf hart kommt, einmal auf die andere Seite und schlafen weiter in den Tag hinein.
Ich will auf und weiter.
Stattdessen lege ich gegen zwei Uhr drei tiefgefrorene Frühlingsrollen in den Backofen und rolle meine erste Zigarette seit Sonntagabend.






